Kritik: Raya und der letzte Drache

Episch oder oberflächlich?
Spoilerfrei!
Lesedauer: 5 Mins.
  • Mit 'Raya und der letzte Drache' schickt uns Disney an der Seite der namensgebenden Heldin auf eine epische Reise durch das fantastische Land Kumandra. Doch ist die Reise wirklich so episch und fantastisch, wie es die Trailer versprechen? Wenig Zeit? Zum Fazit! Darum geht’s Seit das Land Kumandra vor fünfhundert Jahren mithilfe der Magie des letzten Drachen Sisu (Awkwafina/Maria Hönig) vor einer Plage böser Geister namens Druun gerettet wurde, befinden sich die fünf Clans Zahn, Klaue, Kamm, Schweif und Herz im mehr oder weniger offenen Konflikt um die letzten Überreste der Drachenmagie, die vom Herz-Clan gehütet wird. Benja (Daniel Dae Kim/Florian Clyde), Oberhaupt des Herz-Clans und gemeinsam mit seiner Tochter Raya (Kelly Marie Tran/Christina Ann Zalamea) Beschützer des Kristalls, der die Drachenmagie beherbergt, möchte das Land wieder vereinen und lädt die Clans zu Gesprächen ein. Doch aller Gastfreundschaft zum Trotz nutzt der Zahn-Clan die Gelegenheit und zerbricht bei dem Versuch, die Magie zu stehlen, den magischen Kristall. Die Folge: Die Druun tauchen wieder auf und beginnen, die fünf Reiche heimzusuchen und Menschen in Stein zu verwandeln, unter anderem auch Benja. Sechs Jahre nach dem Hinterhalt reist Raya durch die Reiche auf der Suche nach Sisu, um die Druun zu besiegen und ihren Vater und ihr Volk wieder zum Leben zu erwecken. Doch das ist leichter gesagt, als getan… Werbung Wir bleiben an der Oberfläche 'Raya und der letzte Drache' hat viele Zutaten, die den Film zu einem echten Highlight hätten machen können: Eine coole, selbstbewusste Protagonistin, eine spannende, scheinbar vielschichtige Welt, toll inszenierte Magie und Action sowie eine an sich interessante Prämisse. Wo der Film aber auf der optischen Ebene Disney-üblich brilliert, enttäuscht er doch des öfteren wenn es um das Inhaltliche geht. Angefangen bei der Story, eine epische Reise durch einen fremden Kontinent mit allerlei Charakteren. Nur leider wirkt diese Reise stellenweise gehetzt und Checklisten-mäßig: Wir handeln schnell Punkt A ab, gehen weiter zu Punkt B und C, schmeißen noch ein paar kleine „Wendungen“ rein und zack, schon sind wir beim großen Finale angekommen. Gefühlt lässt sich 'Raya' nicht genug Zeit, die Welt, die Völker und schlussendlich eben die Geschichte richtig auszuerzählen und Momente wirken zu lassen. Wie das oben schon anklingt ist das sehr schade, denn das Potential einer tollen Story merkt man dem Film an zahlreichen Ecken an. Auch wenn es um die Protagonist:innen und Antagonist:innen geht, bleibt 'Raya' leider nur an der Oberfläche. Angefangen bei Raya selbst, eine entschlossene und mutige Heldin, bei der man neben ihrer Mission als innerem Antreiber aber leider auch charakterliche Facetten vermisst. Das gleiche gilt leider auch für ihre Widersacherin Namaari (Gemma Chan/Gabrielle Pietermann): Ich kenne und verstehe die Figur bis auf ein paar kurze Sequenzen leider kaum, erhalte zu wenig Einblicke in ihre Gedanken- und Gefühlswelt, sodass ihre innere Zerrissenheit eher angedichtet als tatsächlich vorhanden wirkt. Von all den Charakteren wirkt Sisu wohl noch am ausgereiftesten. Zugegeben, oft dient das quirlige Drachenwesen als Comic Relief, wirkt aber in Sachen Motivation und Backstory weitaus runder und greifbarer als ihre Kompagnons. Glücklicherweise sind alle Charaktere zumindest so sympathisch geschrieben, dass man sie gerne auf ihrer Reise begleitet, charakterliche Tiefe und Komplexität, die auch in der Vergangenheit schon Teil von Disney-Filmen waren, vermisst man trotzdem.  Das ist Kampf und Kunst! Wenn es eine Disziplin gibt, in der 'Raya' erwartbar brilliert, sind es die Animationen. Bei neuen Disney-Filmen ist es ja quasi schon eine Voraussetzung, dass diese alles bisher dagewesene übertreffen und das ist in diesem Fall auch nicht anders. Kumandra und die fünf Reiche wirken visuell spannend, individuell und scheinen praktisch nur darauf zu warten, dass man sich in ihnen verliert. Die realen Inspirationen, für die das Team Thailand, Vietnam, Cambodia, Laos und die Philippinen bereiste, machen sich hier wirklich bezahlt. Ein weiterer Punkt, der schon beim ersten Trailer des Films für Vorfreude sorgte, sind die Kampfszenen. Anders als in anderen Disney-Filmen, geht 'Raya' hier auf’s Ganze: Die Kämpfe wirken wuchtig und actiongeladen, schon lange hat man keine so schön animierten Kampfkünste auf dem Bildschirm gesehen. Ihr merkt, was dem Film, wie eingangs bereits angekündigt, an Inhaltlichem fehlt, macht er mit einer tollen Optik wett. Gute Repräsentation? Raya ist der erste Disney-Film, der südasiatische Länder in den Fokus rückt, was bei vielen Fans für Freude sorgte. Doch obwohl wie inzwischen üblich ein großer Kreis an kulturellen Berater:innen namens „Southeast Asian Story Trust“ für die Produktion des Filmes einberufen wurde, wurden kritische Stimmen laut. Der Grund: Ein Großteil der Original-Sprecher:innen stammt aus Ost- und nicht aus Südasien. Hier drängt sich eine wichtige Frage ins Bild: Was ist gute, richtige Repräsentation? Reicht es, die Geschichten einer Region einem großen Publikum zugänglich zu machen, das sonst keine Berührungspunkte damit hätte? Oder bedeutet gute Repräsentation nicht auch, die Menschen, über die eine Geschichte erzählt wird, vollumfänglich mitwirken zu lassen? Die Unterhaltungsbranche befindet sich hier noch mitten im Lernprozess, nicht alles, was nicht vollständig gut und richtig ist, ist schlecht und umgekehrt. Feststeht, dass Repräsentation und Diversität aktuell in so gut wie jeder Branche große Marketingworte sind und dies ohne das Commitment und Lernbereitschaft auch bleiben. Fazit: Tolle Optik, schwacher Inhalt Raya und der letzte Drache ist eine echte Augenweide und überzeugt nicht nur mit tollen Animationen und wuchtigen Kämpfen, sondern auch mit einer spannenden Welt und Prämisse. Leider wirken Story und Charaktere nicht ausgearbeitet genug und erreichen nicht das Level anderer Disney-Werke. 
    Kritik: Raya und der letzte Drache
    Handlung
    55%
    Charaktere
    55%
    Action
    80%
    Animation
    85%
    Visuelle Umsetzung
    85%
    User Rating: Be the first one !
  • Erscheinungsdatum: 05.03.2021
    Filmlänge: 107 Minuten
    FSK: 0
    Genre: , , , , ,
    Regisseur: , , ,
    Besetzung: , , , , , , , , , , , , ,
    Bildrechte: World Disney Studios Motion Pictures
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Gesamtbewertung:

Ordentlich
72%

Mit 'Raya und der letzte Drache' schickt uns Disney an der Seite der namensgebenden Heldin auf eine epische Reise durch das fantastische Land Kumandra. Doch ist die Reise wirklich so episch und fantastisch, wie es die Trailer versprechen?

Darum geht’s

Seit das Land Kumandra vor fünfhundert Jahren mithilfe der Magie des letzten Drachen Sisu (Awkwafina/Maria Hönig) vor einer Plage böser Geister namens Druun gerettet wurde, befinden sich die fünf Clans Zahn, Klaue, Kamm, Schweif und Herz im mehr oder weniger offenen Konflikt um die letzten Überreste der Drachenmagie, die vom Herz-Clan gehütet wird.

Benja (Daniel Dae Kim/Florian Clyde), Oberhaupt des Herz-Clans und gemeinsam mit seiner Tochter Raya (Kelly Marie Tran/Christina Ann Zalamea) Beschützer des Kristalls, der die Drachenmagie beherbergt, möchte das Land wieder vereinen und lädt die Clans zu Gesprächen ein. Doch aller Gastfreundschaft zum Trotz nutzt der Zahn-Clan die Gelegenheit und zerbricht bei dem Versuch, die Magie zu stehlen, den magischen Kristall. Die Folge: Die Druun tauchen wieder auf und beginnen, die fünf Reiche heimzusuchen und Menschen in Stein zu verwandeln, unter anderem auch Benja.

Sechs Jahre nach dem Hinterhalt reist Raya durch die Reiche auf der Suche nach Sisu, um die Druun zu besiegen und ihren Vater und ihr Volk wieder zum Leben zu erwecken. Doch das ist leichter gesagt, als getan…

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Wir bleiben an der Oberfläche

'Raya und der letzte Drache' hat viele Zutaten, die den Film zu einem echten Highlight hätten machen können: Eine coole, selbstbewusste Protagonistin, eine spannende, scheinbar vielschichtige Welt, toll inszenierte Magie und Action sowie eine an sich interessante Prämisse. Wo der Film aber auf der optischen Ebene Disney-üblich brilliert, enttäuscht er doch des öfteren wenn es um das Inhaltliche geht.

Raya in Raya und der letzte Drache.

Raya: Starke Heldin mit zu wenig Tiefe.

Angefangen bei der Story, eine epische Reise durch einen fremden Kontinent mit allerlei Charakteren. Nur leider wirkt diese Reise stellenweise gehetzt und Checklisten-mäßig: Wir handeln schnell Punkt A ab, gehen weiter zu Punkt B und C, schmeißen noch ein paar kleine „Wendungen“ rein und zack, schon sind wir beim großen Finale angekommen. Gefühlt lässt sich 'Raya' nicht genug Zeit, die Welt, die Völker und schlussendlich eben die Geschichte richtig auszuerzählen und Momente wirken zu lassen. Wie das oben schon anklingt ist das sehr schade, denn das Potential einer tollen Story merkt man dem Film an zahlreichen Ecken an.

Namaari in Raya und der letzte Drache.

Wie viele andere Charaktere wird auch Antagonistin Namaari nicht wirklich auserzählt.

Auch wenn es um die Protagonist:innen und Antagonist:innen geht, bleibt 'Raya' leider nur an der Oberfläche. Angefangen bei Raya selbst, eine entschlossene und mutige Heldin, bei der man neben ihrer Mission als innerem Antreiber aber leider auch charakterliche Facetten vermisst. Das gleiche gilt leider auch für ihre Widersacherin Namaari (Gemma Chan/Gabrielle Pietermann): Ich kenne und verstehe die Figur bis auf ein paar kurze Sequenzen leider kaum, erhalte zu wenig Einblicke in ihre Gedanken- und Gefühlswelt, sodass ihre innere Zerrissenheit eher angedichtet als tatsächlich vorhanden wirkt.

Von all den Charakteren wirkt Sisu wohl noch am ausgereiftesten. Zugegeben, oft dient das quirlige Drachenwesen als Comic Relief, wirkt aber in Sachen Motivation und Backstory weitaus runder und greifbarer als ihre Kompagnons. Glücklicherweise sind alle Charaktere zumindest so sympathisch geschrieben, dass man sie gerne auf ihrer Reise begleitet, charakterliche Tiefe und Komplexität, die auch in der Vergangenheit schon Teil von Disney-Filmen waren, vermisst man trotzdem. 

Das ist Kampf und Kunst!

Wenn es eine Disziplin gibt, in der 'Raya' erwartbar brilliert, sind es die Animationen. Bei neuen Disney-Filmen ist es ja quasi schon eine Voraussetzung, dass diese alles bisher dagewesene übertreffen und das ist in diesem Fall auch nicht anders. Kumandra und die fünf Reiche wirken visuell spannend, individuell und scheinen praktisch nur darauf zu warten, dass man sich in ihnen verliert. Die realen Inspirationen, für die das Team Thailand, Vietnam, Cambodia, Laos und die Philippinen bereiste, machen sich hier wirklich bezahlt.

Raya und Namaari in Raya und der letzte Drache.

Die Kämpfe zwischen Raya und Namaari sind mit die visuellen Highlights des Films.

Ein weiterer Punkt, der schon beim ersten Trailer des Films für Vorfreude sorgte, sind die Kampfszenen. Anders als in anderen Disney-Filmen, geht 'Raya' hier auf’s Ganze: Die Kämpfe wirken wuchtig und actiongeladen, schon lange hat man keine so schön animierten Kampfkünste auf dem Bildschirm gesehen. Ihr merkt, was dem Film, wie eingangs bereits angekündigt, an Inhaltlichem fehlt, macht er mit einer tollen Optik wett.

Gute Repräsentation?

Raya ist der erste Disney-Film, der südasiatische Länder in den Fokus rückt, was bei vielen Fans für Freude sorgte. Doch obwohl wie inzwischen üblich ein großer Kreis an kulturellen Berater:innen namens „Southeast Asian Story Trust“ für die Produktion des Filmes einberufen wurde, wurden kritische Stimmen laut. Der Grund: Ein Großteil der Original-Sprecher:innen stammt aus Ost- und nicht aus Südasien. Hier drängt sich eine wichtige Frage ins Bild: Was ist gute, richtige Repräsentation?

Reicht es, die Geschichten einer Region einem großen Publikum zugänglich zu machen, das sonst keine Berührungspunkte damit hätte? Oder bedeutet gute Repräsentation nicht auch, die Menschen, über die eine Geschichte erzählt wird, vollumfänglich mitwirken zu lassen? Die Unterhaltungsbranche befindet sich hier noch mitten im Lernprozess, nicht alles, was nicht vollständig gut und richtig ist, ist schlecht und umgekehrt. Feststeht, dass Repräsentation und Diversität aktuell in so gut wie jeder Branche große Marketingworte sind und dies ohne das Commitment und Lernbereitschaft auch bleiben.

Fazit:

Tolle Optik, schwacher Inhalt

Raya und der letzte Drache ist eine echte Augenweide und überzeugt nicht nur mit tollen Animationen und wuchtigen Kämpfen, sondern auch mit einer spannenden Welt und Prämisse. Leider wirken Story und Charaktere nicht ausgearbeitet genug und erreichen nicht das Level anderer Disney-Werke. 

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