Kritik: Das Rad der Zeit – Staffel 1

Das Rad eiert noch
Spoilerfrei!
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  • Titelbild für Kritik Das Rad der Zeit Staffel 1
  • Es ist eines der größten Literaturwerke aller Zeiten: Robert Jordans 'Das Rad der Zeit' umfasst im Englischen 15 und im Deutschen sogar 37 (!) Bücher und gehört in der Welt der Fantasy zur Crème de la Crème. Kann die Verfilmung der Vorlage gerecht werden? Wenig Zeit? Zum Fazit! Darum geht's Die Zauberin Moiraine (Rosamund Pike) ist auf der Suche nach der Wiedergeburt des Drachen, ein besonders mächtiger Mensch, der in der Lage ist, das nie endende Rad der Zeit zu beeinflussen – zum Guten oder zum Schlechten. Moraine ist davon überzeugt, dass einer von vier befreundeten Jugendlichen eines Dorfes der besagte Drache ist. Sie alle begleiten Moraine auf der gefährlichen Reise zum Weißen Turm, doch dabei werden sie von Trollocs verfolgt, die ebenfalls hinter dem Drachen her sind. Über allem schwebt die Präsenz des Dunklen Königs, der den Drachen benutzen will, um Chaos und Leid zu schüren. Teil 1: Kritik der ersten drei Folgen Da Amazon die ersten drei Folgen auf einmal veröffentlicht hat, befasst sich der erste Teil meiner Kritik lediglich mit dem ersten Eindruck der Staffel. In Teil 2 vollende ich Kritik und Fazit zur gesamten ersten Staffel. Die Hall of Mediocrity Der elendige Vergleich: Leider schaffen es nur die wenigsten Fantasy-Serien, das Niveau eines Game of Thrones zu erreichen. Eine Reihe von mittelmäßigen bis ganz guten Titeln, wie zum Beispiel Carnival Row, His Dark Materials oder Shadow & Bone, möchten epische Storys ins Heimkino zaubern, schaffen es aber nicht, vollends mitzureißen. Nur The Witcher konnte sich dank eines charismatischen Henry Cavills in das Langzeitgedächtnis der Menschen festsetzen. Wie ist es mit Das Rad der Zeit? Im Vergleich zu den oben genannten Serien bietet Das Rad der Zeit deutlich mehr Potential. Die groß angelegte Geschichte in einem gigantischen Universum schreit geradezu danach, verfilmt zu werden. Es ist also überraschend und wenig überraschend zugleich, dass die ersten Folgen der Serie streckenweise wie eine Aneinanderreihung von Fantasy-Klischees wirken. Es gibt die Prophezeiung, die Hexe, den Junggesellen und das zerstörte Dorf, die "Orks", die dunkle Kraft als personifizierte Gestalt unter einer schwarzen Robe, und vieles mehr. Letztendlich sind diese "Tropes" auch nicht abgenutzter als jene aus dem Comic- oder Krimi-Genre, doch sie finden bisher noch nicht den individuellen Twist, den Das Rad der Zeit braucht, um zu einer echten Hit-Serie zu werden. Charaktere können nicht begeistern Rosamund Pike, das Pik-Ass im Ärmel der Serie, bekommt als Zauberin Moiraine die größte Zeit vor der Kamera. Doch fehlt es der talentierten Schauspielerin an ebenso talentierten Drehbuchschreiber:innen, um sie mit verbaler Munition auszurüsten. Die meisten Dialoge der Serie wirken auf seltsame Weise Second-Hand oder recycelt, so, als ob sie in ähnlicher Ausführung schon in mehreren anderen Filmen oder Serie zu hören gewesen wären. Die Hauptgruppe an Held:innen, die vier jungen Erwachsenen aus dem Dorf Emondsfelde, die alle potentiell die Wiedergeburt des Drachen sein könnten, wirken in den ersten drei Folgen zu blass und schwach, als der Serie tatsächlich Charakter zu geben. Barnay Harris als Gaukler Mat reißt immerhin den ein oder anderen One-Liner, der oftmals auf der Meta-Ebene die eigenen Klischees der Serie neutralisieren möchte – oftmals mit Erfolg. Das Problem der ersten drei Folgen ist jedoch, dass die meisten der Protagonist:innen vollkommen austauschbar wirken. Nach den ersten drei Folgen ist das ein hartes Statement, doch der Serie bleibt immerhin noch Zeit, die Backgrounds der Charaktere nicht nur anzureißen, sondern auch auszumalen, um die inneren Konflikte der Charaktere spürbar zu machen. Potential bietet zum Beispiel die Verbindung zwischen Zauberin Moiraine und ihrem Schützling, den stoischen, samurai-artigen Lan Mandragoan, die jedoch noch kaum thematisiert wurde. Ein Problem stellen auch die vier Freunde Rand (Josha Stradowski), Mat (Barnay Harris), Perrin (Marcus Rutherford) und Egwene (Madeleine Madden) dar, die sich mehr darauf fokussieren, Rollen zu spielen, statt authentische Menschen darzustellen. Das Drehbuch gibt ihnen leider noch wenig Zündholz, wirklich interessant zu werden, und so fühlen sich die Charaktere mehr wie klassische "Der-Da"s oder "Die-Da"s an. Look and Feel für gut befunden Auf visueller Ebene bewegt sich Das Rad der Zeit im oberen Mittelfeld, begeistert aber zu keiner Zeit. Die Action wird stellenweise sehr dunkel und unübersichtlich, vor allem während den chaotischen Kämpfen gegen die Trollocs, dafür bietet die Serie vor allem in den ruhigeren Szenen schöne Schauwerte, die der Atmosphäre zugute kommen, wie zum Beispiel ein Kerzenmeer im Rahmen eines Rituals für die Toten. Die Landschaftsbilder sind kahl und flächig, es passt also erstaunlich gut, dass Country-Einflüsse in den Soundtrack beigemischt werden. Die Kombination ist originell, ist aber noch nicht selbstbewusst genug, um wirklich zum Signature Style der Serie zu werden. Teil 2: Kritik der gesamten ersten Staffel Ich habe nun alle acht Folgen gesehen. Wie sich meine Meinung zur ersten Staffel der Serie geändert hat, erfährst du in der folgenden Kritik. Endlich mehr Umdrehungen pro Minute Ausgerechnet ab Folge 4 wird's spannend; das könnte der Serie zum Verhängnis werden. Mit den mittelmäßigen und initial veröffentlichten ersten drei Folgen hat Das Rad der Zeit mit Sicherheit einen großen Teil seiner Zuschauer:innen bereits verloren. Álvaro Morte ist der neue Star. Für die Serie ist er Logain, der vermeintlich wiedergeborene Drache; für die Zuschauer ist er der "Professor" aus Das Haus des Geldes. Sein Charisma überschattet das seiner Schauspielkollegen wie die Silhouette eines Drachen. Der spanische Akzent und das Auftreten eines wahnsinnigen Messias machen aus Logain schnell eine Lieblingsfigur. Doch leider bleibt Logain eine Randnotiz im Kontext der Staffel. Für eine kurze Zeit macht Álvaro Morte aus Das Rad der Zeit eine sehr gute Serie; nach seinem Bühnenauftritt sinkt das Niveau, manifestiert sich jedoch auf einem höheren Level als der mittelmäßige Kick-Off der ersten drei Folgen. Das Rad kommt immer mehr ins Rollen ... Rosamund Pike wird eins mit ihrer Rolle Zauberin Moraine bleibt Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Von Folge zu Folge wird sie ein stärkerer Lead, sowie Herz und Gesicht der Serie. Ihre Beziehung zu Lan Mandragoran, ihr Beschützer, bekommt im Laufe der Staffel auch endlich mehr Tiefe, mehr intime Momente, die jedoch kaum sexueller Natur sind, was ihre Beziehung umso mystischer macht. Die tragische Liebesgeschichte zwischen Rand und Egwene, die sich insgeheim ein entspanntes Leben auf der Farm wünschen (wo auch sonst), doch durch ihr Schicksal getrennt werden, lässt erst in den letzten beiden Folgen die Funken sprühen. Das Problem ist Rand, dem es als einer der Hauptcharaktere an Charisma fehlt. Seine Rolle ist völlig austauschbar, sein Verhalten erzeugt keine besonderen Reaktionen bei den anderen Charakteren; man könnte Rand durch einen x-beliebigen Schablonencharakter ersetzen und es würde sich nichts ändern. Kleine Nebenrollen, wie der belesene und wortgewandte Ogier Loial (Hammed Animashaun) machen das fehlende Charisma einiger Hauptcharaktere einigermaßen wett. Auch Peter Franzén als herzgebrochener Beschützer Stepin, den viele als Harald Feinhaar aus Vikings kennen, ist ein Gewinn für die Serie, der leider viel zu schnell verloren geht. Die Spitze des Eisbergs Ebenso unausgeglichen wie das Handling der Charaktere ist auch das Worldbuilding der Serie. Das Rad der Zeit - Staffel 1 besitzt genug angedeutete Tiefe und Detailreichtum und hat das Potential, sich von Standard-Fantasy-Kost abzuheben, doch zeigen die ersten acht Folgen nur die Spitze des Eisbergs. Tatsächlich liefert die Serie auch verhältnismäßig wenig Exposition für solch ein komplexes Worldbuilding; das ist vorbildlich und kommt dem Erzähltempo zugute, erzeugt im Kopf unbelesener Zuschauer:innen aber oftmals auch Fragezeichen. Für jene mag sich Das Rad der Zeit daher als genau das anfühlen, was es nicht ist: Standard-Fantasy-Kost. Buch-Fans deuten auf das hin, was noch kommen mag, während sie teils stirnrunzelnd die kreativen Entscheidungen des Storytellings in Frage stellen. Da ich selbst die Bücher nicht gelesen habe, kann ich auf den Serie-zu-Buch-Vergleich jedoch nicht eingehen. Ambitioniert, doch unsorgfältig Das Rad der Zeit erzeugt viele Widersprüche: Einerseits sehen Effekte und Kostüme wertig aus, andererseits wirkeneinige CGI-Effekte, allen voran die Trollocs, sehr veraltet. Die Action bietet eine Palette zwischen derben Schwertkämpfen und billigem Blitzeschießen. Das Pacing wirkt ausgeglichen, in der letzten Folge jedoch zu schnell. Insgesamt fehlt es Das Rad der Zeit einfach an Sorgfalt in der Ausführung. Was Sorgfalt auf inszenatorischer und inhaltlicher Ebene bedeutet, hat beispielsweise die zweite Staffel von The Witcher exzellent bewiesen. Das Rad der Zeit hingegen wirkt wie ein ambitioniertes PC-Rollenspiel, das jedoch zu schnell released wurde und jetzt von nervigen Bugs geplagt wird, die nur durch Patches gefixt werden können. Werbung Fazit: Fazit der gesamten Staffel 1 Nach den ersten drei Folgen hat Das Rad der Zeit in Sachen Spannung, Worldbuilding und Charakteren ordentlich zugelegt. Das Tempo und der Anteil an Action sorgen für reichlich Unterhaltungsfaktor, die fantasievollen und vielfältigen Sets für nostalgische Fantasy-Atmosphäre. Für die erste Staffel einer Fantasy-Serie passiert erstaunlich viel, während man erstaunlich wenig Exposition bekommt, um die Welt in ihrem Ausmaß und ihrer Funktion zu verstehen. Neben einiger Schönheitsmakel und einem gehetzten Finale ist die erste Staffel Das Rad der Zeit jedoch ein leckerer Appetizer, der Lust auf den Hauptgang macht. Fans der Bücher sollten die Verfilmung aufgrund einiger inhaltlicher Änderungen jedoch mit Vorsicht genießen.
    Kritik: Das Rad der Zeit – Staffel 1
    Handlung
    75%
    Charaktere
    70%
    Spannung
    75%
    Visuelle Umsetzung
    75%
    Dialoge
    70%
    User Rating: Be the first one !
  • Staffelstart: 19.11.2021
    Episoden: 9 in 1+ Staffeln
    FSK: 16
    Genre: , , , ,
    Showrunner:
    Besetzung: , , , , , ,
    Bildrechte: 2021 Prime Video

Gesamtbewertung:

Ordentlich
73%

Es ist eines der größten Literaturwerke aller Zeiten: Robert Jordans 'Das Rad der Zeit' umfasst im Englischen 15 und im Deutschen sogar 37 (!) Bücher und gehört in der Welt der Fantasy zur Crème de la Crème. Kann die Verfilmung der Vorlage gerecht werden?

Darum geht's

Die Zauberin Moiraine (Rosamund Pike) ist auf der Suche nach der Wiedergeburt des Drachen, ein besonders mächtiger Mensch, der in der Lage ist, das nie endende Rad der Zeit zu beeinflussen – zum Guten oder zum Schlechten.

Moraine ist davon überzeugt, dass einer von vier befreundeten Jugendlichen eines Dorfes der besagte Drache ist. Sie alle begleiten Moraine auf der gefährlichen Reise zum Weißen Turm, doch dabei werden sie von Trollocs verfolgt, die ebenfalls hinter dem Drachen her sind. Über allem schwebt die Präsenz des Dunklen Königs, der den Drachen benutzen will, um Chaos und Leid zu schüren.

Teil 1: Kritik der ersten drei Folgen

Da Amazon die ersten drei Folgen auf einmal veröffentlicht hat, befasst sich der erste Teil meiner Kritik lediglich mit dem ersten Eindruck der Staffel. In Teil 2 vollende ich Kritik und Fazit zur gesamten ersten Staffel.

Die Hall of Mediocrity

Der elendige Vergleich: Leider schaffen es nur die wenigsten Fantasy-Serien, das Niveau eines Game of Thrones zu erreichen. Eine Reihe von mittelmäßigen bis ganz guten Titeln, wie zum Beispiel Carnival Row, His Dark Materials oder Shadow & Bone, möchten epische Storys ins Heimkino zaubern, schaffen es aber nicht, vollends mitzureißen. Nur The Witcher konnte sich dank eines charismatischen Henry Cavills in das Langzeitgedächtnis der Menschen festsetzen. Wie ist es mit Das Rad der Zeit?

Im Vergleich zu den oben genannten Serien bietet Das Rad der Zeit deutlich mehr Potential. Die groß angelegte Geschichte in einem gigantischen Universum schreit geradezu danach, verfilmt zu werden. Es ist also überraschend und wenig überraschend zugleich, dass die ersten Folgen der Serie streckenweise wie eine Aneinanderreihung von Fantasy-Klischees wirken.

Es gibt die Prophezeiung, die Hexe, den Junggesellen und das zerstörte Dorf, die "Orks", die dunkle Kraft als personifizierte Gestalt unter einer schwarzen Robe, und vieles mehr. Letztendlich sind diese "Tropes" auch nicht abgenutzter als jene aus dem Comic- oder Krimi-Genre, doch sie finden bisher noch nicht den individuellen Twist, den Das Rad der Zeit braucht, um zu einer echten Hit-Serie zu werden.

Charaktere können nicht begeistern

Rosamund Pike, das Pik-Ass im Ärmel der Serie, bekommt als Zauberin Moiraine die größte Zeit vor der Kamera. Doch fehlt es der talentierten Schauspielerin an ebenso talentierten Drehbuchschreiber:innen, um sie mit verbaler Munition auszurüsten. Die meisten Dialoge der Serie wirken auf seltsame Weise Second-Hand oder recycelt, so, als ob sie in ähnlicher Ausführung schon in mehreren anderen Filmen oder Serie zu hören gewesen wären.

Die Hauptgruppe an Held:innen, die vier jungen Erwachsenen aus dem Dorf Emondsfelde, die alle potentiell die Wiedergeburt des Drachen sein könnten, wirken in den ersten drei Folgen zu blass und schwach, als der Serie tatsächlich Charakter zu geben. Barnay Harris als Gaukler Mat reißt immerhin den ein oder anderen One-Liner, der oftmals auf der Meta-Ebene die eigenen Klischees der Serie neutralisieren möchte – oftmals mit Erfolg.

Hauptcharaktere der Serie Das Rad der Zeit mit Zoë Robins, Barnay Harris, Lan Mandragoran, Rosamund Pike, Madeleine Madden, Marcus Rutherford, Josha Stradowski

Die Hauptcharaktere der ersten Staffel. Rosamund Pike führt, während die anderen Figuren noch relativ austauschbar wirken.

Das Problem der ersten drei Folgen ist jedoch, dass die meisten der Protagonist:innen vollkommen austauschbar wirken. Nach den ersten drei Folgen ist das ein hartes Statement, doch der Serie bleibt immerhin noch Zeit, die Backgrounds der Charaktere nicht nur anzureißen, sondern auch auszumalen, um die inneren Konflikte der Charaktere spürbar zu machen. Potential bietet zum Beispiel die Verbindung zwischen Zauberin Moiraine und ihrem Schützling, den stoischen, samurai-artigen Lan Mandragoan, die jedoch noch kaum thematisiert wurde.

Ein Problem stellen auch die vier Freunde Rand (Josha Stradowski), Mat (Barnay Harris), Perrin (Marcus Rutherford) und Egwene (Madeleine Madden) dar, die sich mehr darauf fokussieren, Rollen zu spielen, statt authentische Menschen darzustellen. Das Drehbuch gibt ihnen leider noch wenig Zündholz, wirklich interessant zu werden, und so fühlen sich die Charaktere mehr wie klassische "Der-Da"s oder "Die-Da"s an.

Look and Feel für gut befunden

Auf visueller Ebene bewegt sich Das Rad der Zeit im oberen Mittelfeld, begeistert aber zu keiner Zeit. Die Action wird stellenweise sehr dunkel und unübersichtlich, vor allem während den chaotischen Kämpfen gegen die Trollocs, dafür bietet die Serie vor allem in den ruhigeren Szenen schöne Schauwerte, die der Atmosphäre zugute kommen, wie zum Beispiel ein Kerzenmeer im Rahmen eines Rituals für die Toten.

Die Landschaftsbilder sind kahl und flächig, es passt also erstaunlich gut, dass Country-Einflüsse in den Soundtrack beigemischt werden. Die Kombination ist originell, ist aber noch nicht selbstbewusst genug, um wirklich zum Signature Style der Serie zu werden.

Teil 2: Kritik der gesamten ersten Staffel

Ich habe nun alle acht Folgen gesehen. Wie sich meine Meinung zur ersten Staffel der Serie geändert hat, erfährst du in der folgenden Kritik.

Endlich mehr Umdrehungen pro Minute

Ausgerechnet ab Folge 4 wird's spannend; das könnte der Serie zum Verhängnis werden. Mit den mittelmäßigen und initial veröffentlichten ersten drei Folgen hat Das Rad der Zeit mit Sicherheit einen großen Teil seiner Zuschauer:innen bereits verloren.

Álvaro Morte ist der neue Star. Für die Serie ist er Logain, der vermeintlich wiedergeborene Drache; für die Zuschauer ist er der "Professor" aus Das Haus des Geldes. Sein Charisma überschattet das seiner Schauspielkollegen wie die Silhouette eines Drachen. Der spanische Akzent und das Auftreten eines wahnsinnigen Messias machen aus Logain schnell eine Lieblingsfigur.

Álvaro Morte als Logain in Das Rad der Zeit Staffel 1

Álvaro Morte als mysteriöser und gefährlicher Logain ist ein großes Highlight der Serie.

Doch leider bleibt Logain eine Randnotiz im Kontext der Staffel. Für eine kurze Zeit macht Álvaro Morte aus Das Rad der Zeit eine sehr gute Serie; nach seinem Bühnenauftritt sinkt das Niveau, manifestiert sich jedoch auf einem höheren Level als der mittelmäßige Kick-Off der ersten drei Folgen.

Das Rad kommt immer mehr ins Rollen ...

Rosamund Pike wird eins mit ihrer Rolle

Zauberin Moraine bleibt Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Von Folge zu Folge wird sie ein stärkerer Lead, sowie Herz und Gesicht der Serie. Ihre Beziehung zu Lan Mandragoran, ihr Beschützer, bekommt im Laufe der Staffel auch endlich mehr Tiefe, mehr intime Momente, die jedoch kaum sexueller Natur sind, was ihre Beziehung umso mystischer macht.

Lan und Mogwaine in Das Rad der Zeit Staffel 1

Mogwaine (Rosamund Pike) und ihr Beschützer Lan (Daniel Henney) geben ein interessantes, platonisches Pärchen ab.

Die tragische Liebesgeschichte zwischen Rand und Egwene, die sich insgeheim ein entspanntes Leben auf der Farm wünschen (wo auch sonst), doch durch ihr Schicksal getrennt werden, lässt erst in den letzten beiden Folgen die Funken sprühen. Das Problem ist Rand, dem es als einer der Hauptcharaktere an Charisma fehlt. Seine Rolle ist völlig austauschbar, sein Verhalten erzeugt keine besonderen Reaktionen bei den anderen Charakteren; man könnte Rand durch einen x-beliebigen Schablonencharakter ersetzen und es würde sich nichts ändern.

Kleine Nebenrollen, wie der belesene und wortgewandte Ogier Loial (Hammed Animashaun) machen das fehlende Charisma einiger Hauptcharaktere einigermaßen wett. Auch Peter Franzén als herzgebrochener Beschützer Stepin, den viele als Harald Feinhaar aus Vikings kennen, ist ein Gewinn für die Serie, der leider viel zu schnell verloren geht.

Die Spitze des Eisbergs

Ebenso unausgeglichen wie das Handling der Charaktere ist auch das Worldbuilding der Serie. Das Rad der Zeit - Staffel 1 besitzt genug angedeutete Tiefe und Detailreichtum und hat das Potential, sich von Standard-Fantasy-Kost abzuheben, doch zeigen die ersten acht Folgen nur die Spitze des Eisbergs.

Tatsächlich liefert die Serie auch verhältnismäßig wenig Exposition für solch ein komplexes Worldbuilding; das ist vorbildlich und kommt dem Erzähltempo zugute, erzeugt im Kopf unbelesener Zuschauer:innen aber oftmals auch Fragezeichen. Für jene mag sich Das Rad der Zeit daher als genau das anfühlen, was es nicht ist: Standard-Fantasy-Kost.

Buch-Fans deuten auf das hin, was noch kommen mag, während sie teils stirnrunzelnd die kreativen Entscheidungen des Storytellings in Frage stellen. Da ich selbst die Bücher nicht gelesen habe, kann ich auf den Serie-zu-Buch-Vergleich jedoch nicht eingehen.

Ambitioniert, doch unsorgfältig

Das Rad der Zeit erzeugt viele Widersprüche: Einerseits sehen Effekte und Kostüme wertig aus, andererseits wirkeneinige CGI-Effekte, allen voran die Trollocs, sehr veraltet. Die Action bietet eine Palette zwischen derben Schwertkämpfen und billigem Blitzeschießen. Das Pacing wirkt ausgeglichen, in der letzten Folge jedoch zu schnell. Insgesamt fehlt es Das Rad der Zeit einfach an Sorgfalt in der Ausführung.

Was Sorgfalt auf inszenatorischer und inhaltlicher Ebene bedeutet, hat beispielsweise die zweite Staffel von The Witcher exzellent bewiesen. Das Rad der Zeit hingegen wirkt wie ein ambitioniertes PC-Rollenspiel, das jedoch zu schnell released wurde und jetzt von nervigen Bugs geplagt wird, die nur durch Patches gefixt werden können.

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Fazit:

Fazit der gesamten Staffel 1

Nach den ersten drei Folgen hat Das Rad der Zeit in Sachen Spannung, Worldbuilding und Charakteren ordentlich zugelegt. Das Tempo und der Anteil an Action sorgen für reichlich Unterhaltungsfaktor, die fantasievollen und vielfältigen Sets für nostalgische Fantasy-Atmosphäre. Für die erste Staffel einer Fantasy-Serie passiert erstaunlich viel, während man erstaunlich wenig Exposition bekommt, um die Welt in ihrem Ausmaß und ihrer Funktion zu verstehen. Neben einiger Schönheitsmakel und einem gehetzten Finale ist die erste Staffel Das Rad der Zeit jedoch ein leckerer Appetizer, der Lust auf den Hauptgang macht. Fans der Bücher sollten die Verfilmung aufgrund einiger inhaltlicher Änderungen jedoch mit Vorsicht genießen.

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